Inklusion geht alle an und ist eine >>gigantische Aufgabe<<

Ulrich Beyer, Leiter der Dasseler Harz-Weser-Werkstätten (Mitte) und der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz (links) stuften die Inklusion als wirkliche Herausforderung ein. Für die Reden bekamen sie >>etwas Rotes<< vom SPD-Stadtverbands-vorsitzenden Manfred Thiele (rechts).
Inklusion war das Thema, das die SPD für ihren Neujahrsempfang im Dasseler Ratskellersaal gewählt hatte. Ulrich Beyer, Leiter der Harz-Weser-Werkstätten Dassel, berichtetet vom Weg der Werkstätten zur Inklusion. Dass mit der Inklusion eine "gigantische Aufgabe" vor der Gesellschaft liege, stellte der sozialpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Uwe Schwarz aus Bad Gandersheim, fest. Die Inklusion werde eine Aufgabe sein, die Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft habe.

Die UN-Behindertenrechtskonvention schreibe fest: Jeder Mensch erhält die Möglichkeit, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht oder Alter.

 

Die Harz-Weser-Werkstätten erbringen Dienstleistungsangebote für Menschen mit Behinderungen, und sie wollen die Teilhabe der Menschen mit Behinderungen realisieren. In sechs Werkstätten an vier Standorten bieten sie 1.350 Erwachsenen vielfältige Beschäftigungs- sowie Wohn-Angebote in stationärer und ambulanter Form. >>Inklusion ist, wenn alle mitmachen dürfen<<, brachte es Beyer in einfacher Sprache auf den Punkt. Die UN-Menschenrechtskonvention schreibt die Inklusion fest. Doch diejenigen, die sich damit auseinandersetzen müssen, hätten es zurzeit schwer, die uneingeschränkte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen umzusetzen. Sie stünden vor einer >>echten Herausforderung<<, meinte Beyer. Früher habe man auf die Förderung in homogenen Gruppen gesetzt. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht sei die Wirksamkeit dieses Konzeptes mittlerweile aber widerlegt.

 

Die Konvention schreibe einen offenen Arbeitsmarkt vor. Damit müsse die Aufnahme der Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt Vorrang haben. Das sei bisher nur in Einzelfällen gelungen, die Auslagerung von Arbeitsplätzen der Werkstätten beispielsweise in Kantinen – sei aber ein gutes Beispiel.

 

Von gesellschaftlicher und beruflicher Teilhabe seien die Menschen mit Behinderung früher abgeschnitten gewesen. Die Förderungsstätten oder Lebenshilfen sei erfolgreich, denn sie hätten den Weg von der Exklusion zur Inklusion gestaltet. Werkstätten mit ihrem Fachwissen seien besonders gefragt, wenn es darum geht, eine inklusive Gesellschaft zu schaffen. Inklusion erfordere ein individualisiertes und Personenkonzentriertes Hilfsmanagement. Die in den Werkstätten angepasste Arbeitswelt müsse mit der umgebenen Welt besser verknüpft werden, blickte Beyer in die Zukunft. An die Politik richtete Beyer den Appell sich zu überlegen, wie das Personenzentrierte Hilfsmanagement umgesetzt und finanziert werden könnte. "Inklusion geht weder schnell, noch ist sie einfach. Sie ist Aufgabe nicht nur der Politik, sondern auch der Zivilgesellschaft". Die Werkstätten seien künftig nicht überflüssig, sie würden sich aber verändern müssen. Mehrere Generationen müssten sich mit dem Prozess der Inklusion auseinandersetzen, prognostizierte Beyer. Mit der Themenauswahl einen wichtigen Schritt zur Inklusion getan, lobte er.

 

Niedersachsen schneidet nach Ansicht des SPD-Landtags-abgeordneten Uwe Schwarz schlecht ab, wenn es um die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen geht. Überall dort, wo die Belange von Menschen mit Behinderungen berührt seien, gehe die Landesregierung auf Tauchstation. Die Seit März 2009 in Deutschland geltende UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen werde gänzlich ausgeblendet. Dabei sei sie ein "Meilenstein", den es umzusetzen gelte.

Groß sei der Kreis der Betroffenen. In Niedersachsen gebe es 1.324 Millionen Menschen mit mindestens 20 Prozent Erwerbsminderung. Allein 810.000 Menschen seien schwerbehindert. Direkt oder indirekt sei damit ein Drittel der niedersächsischen Bevölkerung mit Handicaps in Berührung. Der Sozialhaushalt umfasst 3,4Milliarden Euro, ungefähr die Hälfte fließt in den Behindertenbereich, den sich das Land mit den Kommunen teilt.

14.000 Schwerbehinderte in Niedersachsen haben keine Arbeit, wartete Schwarz mit aktuellen Zahlen auf. Die Zahl sei steigend. Arbeitsassistens und kompetente Ansprechpartner bei der Arbeitsvermittlung seien notwendig. Inklusion bedeute auch barrierefreies Wohnen, barrierefreie Infrastruktur und barrierefreies OPNV. Insgesamt sei die Inklusion eine "gigantische Aufgabe" finanziell gesehen eine siebenstellige Summe. Die SPD Niedersachsen hat sich die Erarbeitung eines Aktionsplanes vorgenommen. Gerade der Sozialdemokrat müsse von seiner Partei wieder stärker in den Blick genommen werden. -beispiel- weise die Abhängigkeit der Bildungschance vom Portmonee der Eltern, der beginnende Pflegenotstand oder der ausufernde Niedriglohnsektor.

 

Für Musik sorgte die Musikschule Bernd Sommerfeld, Karina Joppe erhielt für die Darbietung viel Beifall. Das sei nicht zu Toppen, stellte Manfred Thiele, SPD-Stadtverbandsvorsitzender, anerkennend fest.

 

Gesammelt wurde für die Kinderfeuerwehr der Stadt Dassel.